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FANS, FANS, FANS – SO WEIT DAS AUGE REICHT!

Zugegeben, im Moment tun wir nicht viel für unsere neue CD. Wir machen viel zu wenig Werbung. Wir treten zur Zeit nicht auf, wir stellen keine Videos ins Netz, und wir spammen auch niemanden zu. Aber da gibt es ja noch das Internet mit seinen unendlichen Möglichkeiten!

Ich will nicht den Web-Skeptiker raushängen lassen, bin ja auch keiner. Ich habe im Web sagenhafte Künstler entdeckt und tolle Leute kennen gelernt – also wirklich kennen gelernt, nicht einfach nur Zweizeiler bei Facebook ausgetauscht. Aber diese Plattformen, wo jeder der ganzen Welt seine Musik präsentieren kann, die sind doch eher von fragwürdiger Natur.

Du trägst dich also bei einer dieser Plattformen ein, lädtst Soundfiles und Bilder rauf, lässt dir ein paar halbwegs flotte Sprüchlein einfallen usw. Dann machst du dich auf die Suche nach "Freunden". Grast erst mal die bekannten Gesichter ab, manche kennst du persönlich, andere nur von deinem CD-Spieler. Schon bald erhältst du erste Freundschafts-Anfragen: Eine Punkband aus Tokio? Nicht meine Traum-Freunde, aber vielleicht mögen sie unser Zeug ja wirklich. Eine Deathcore-Metal-Band aus Wisconsin? Die Songs scheinen im Übungsraum mitgeschnitten zu sein, und was das Können anbelangt… okay, wir haben alle mal klein angefangen. Und dann der Schnulzensänger aus X, die Coverband aus Y und der Gangsta-Rapper aus Z. Die haben mit unserer Musik so gut wie nichts gemeinsam. Aber alle haben sie tausende "Freunde" (woanders heißen sie auch "Fans").

Nö, ich bin nicht neidisch wegen der hohen Fan-Zahlen. Müsste ja nur die Nächte damit verbringen, Hinz und Kunz meine "Freundschaft" aufzudrängen. Oder hin und wieder 100 $ in eine dieser obskuren Dienstleistungen investieren, die einem "thousands of new fans" garantieren. Doch zufällig habe ich in meinem Day-Job öfter mal mit Werbung zu tun. Und dort gilt: Was für den Immobilienmakler die LAGE ist, ist für den Werber das UMFELD. Eine Werbeagentur würde niemals eine Anzeige für Hundefutter in einer Gourmet-Zeitschrift platzieren. Natürlich haben manche Feinschmecker Hunde, und die wollen auch mal was Feines schmecken. Aber der Effekt der Anzeige wäre allein schon deshalb gering, weil man sie in diesem Umfeld einfach nicht erwartet. Der Anzeigenkunde schmeißt sein Geld zum Fenster raus, oder er wechselt flugs die Agentur.

Aber, sagt hier der Freunde-sammelnde Musiker, ich zahl ja nix dafür (na ja, vielleicht mal die oben erwähnten 100 $). Und meine 7.000 Fans sind doch ein überzeugendes Argument für meine Kunst! Mag ja in dem einen oder anderen Fall zutreffen, doch man stelle sich vor: Da sind Millionen von öffentlichkeitsgeilen Musikern, und alle sind irgendwann mal ein Fan von jedem. Kaufen die jetzt wie verrückt die CDs von den anderen, rennen wie gestochen zu deren Konzerten? Ein Albtraum: Tausende CDs stapeln sich in der Garage, in der Küche, auf dem Klo. CDs, die ein Vermögen gekostet haben und die nie jemand hören wird. Und bei den Konzerten stehen ausschließlich Typen herum, die nichts anderes tun, als für ihre eigenen Konzerte die Reklametrommel zu schlagen…

Die meisten von denjenigen, für die das Web gut funktioniert, haben vorher in der realen Welt schon etwas auf die Beine gestellt. Und deswegen werden wir versuchen, möglichst bald unseren Winterschlaf zu beenden und wieder reale Luft in Schwingungen zu versetzen. Wo und wann das sein wird, steht leider noch in den Sternen. Denn wenn es einfach wäre, hätten wir's bereits getan. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

ps 04.11.11

 


 


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