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Stell dir vor, es spielt eine geile Band – und keiner geht hin (29.8.2017)

Es ist schon eine Weile her, da schrieb mir der Alex aus dem schönen Kalifornien, er würde in Kürze mit seinem Trio in München auftreten. Der Alex ist, nebenbei gesagt, nicht nur ein fabelhafter Mensch, mit dem man tolle Gespräche führen und extrem ablachen kann, sondern auch einer der unglaublichsten Gitarristen, die über den Erdball wandeln. Nicht umsonst sagt John McLaughlin (ja, genau – der Mahavishnu-McLaughlin) über ihn, dass „seine Musik dort anfängt, wo andere Musik aufhört“.

Am Stichtag begebe ich mich also mit Frau und Sohn und bei strömendem Regen zum Ort des Geschehens, einem durchaus angesagten Kellerclub in Münchens Innenstadt. Unser Drummer Günni stößt dazu, hat auch eine gute Bekannte aus Berlin mitgebracht. Wir haben alle unsere Tickets online reservieren lassen, man weiß ja nie. Und dann – ach du Scheiße, es herrscht gähnende Leere im Club. Ich hab nicht gezählt, aber so an die zehn, fünfzehn Leute werden’s wohl gewesen sein. (Und die beiden Frauen in unserer Gruppe die einzigen weiblichen Wesen weit und breit, die nette Kellnerin nicht mitgerechnet – noch so ein Thema, das der genaueren Ausleuchtung bedürfte, aber dies vielleicht ein andermal).

Es ist ja nicht so, dass wir nicht auch schon vor nahezu leeren Häusern gespielt hätten. Mal ist es, weil dich keiner kennt (und dich auch nicht kennen lernen will), vielleicht auch, weil ein Fußballspiel übertragen wird oder weil es gnadenlos schifft oder schneit. Zu letzterem fällt mir spontan der famose Jürgen aus Konstanz ein, der sich bei Glatteis und horrorshowmäßigen Minusgraden mit dem Fahrrad auf die Reichenau begeben hat, weil er dachte: Ui, das könnt was für mich sein! Und seinem Bekunden nach war es dann auch…

Doch ich schweife ab.
Was ich eigentlich sagen will: Es ist keine Schande, wenn eine Band wie unsere einfach mal so durch den Raster der kollektiven Aufmerksamkeit fällt. Aber wenn ein innovativer Weltklasse-Act aus drei Spitzenmusikern (gemeint sind FAT, das „Fabulous Austrian Trio“) mit derartiger Ignoranz abgestraft wird, macht mich das grüblerisch. Rennt man nur noch zu Konzerten, wo man vorher schon weiß, was einen erwartet? Zum Beispiel Coverversionen von ollen Kamellen, vorgetragen in moderater Lautstärke, damit man bei einem Bierchen und einer Mikrowellenpizza in aller Gemütlichkeit den neuesten Tratsch austauschen kann? Wo bleiben die Neugier auf unerforschtes Terrain, die Lust auf bis dato Unerhörtes, die Bereitschaft, sich von Musik auch mal fordern zu lassen? Wo bleibt das Abenteuer, Leute?!?

Wir jedenfalls haben an jenem Abend unser Abenteuer bekommen – in einem gewissermaßen exklusiven Rahmen, wenn man so will. Aber schade war’s schon, dass ihr nicht da gewesen seid. Ja genau, ihr, die ihr mitunter klagt, es gäbe nichts interessantes Neues mehr auf die Ohren. Oder wollen wir’s doch lieber so wie früher, nur vielleicht a kleins bissl anders?*

*In diesem Fall empfiehlt der Musikologe den Besuch eines unserer Konzerte, denn genau das bekommt ihr von uns geboten…