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Du musst öfter was sagen! (18.5.2019)

Obiger Ratschlag wurde im Laufe meiner langjährigen Bühnenlaufbahn immer wieder an mich herangetragen. Gemeint ist damit, dass ich zwischen den Stücken öfter mal das Wort ans Publikum richten sollte. Aber das mach ich doch, lautet dann meine verzweifelte Erwiderung. Nachdem wir die ersten drei Songs nahtlos heruntergenagelt haben, stelle ich in aller Deutlichkeit und völlig unmissverständlich klar: "Guten Abend, wir sind Dogs Welcome und wir spielen Rock’n’Roll". Oder so ähnlich. Ja, ist von Lemmy übernommen, aber der Gute Abend und der Bandname sind von uns. Was gibt’s da sonst noch zu sagen? "Freut uns, dass ihr gekommen seid?" Nein, wir ärgern uns maßlos, denn wir spielen am liebsten vor leeren Rängen. Oder:" Es ist jetzt zwanzig Uhr dreiunddreißig, die sechzehnminütige Pause beginnt um einundzwanzig Uhr neun und bietet die Gelegenheit, zum Rauchen vor die Tür zu gehen, diskret die Toilette aufzusuchen oder per Video-App zu checken, was der Nachwuchs zuhause gerade so anstellt..." (unser Publikum besteht zu einem nicht unerheblichen Anteil aus älteren Semestern)

Aber es könnte doch auch was Witziges sein! Aber wäre es nichtebenfalls witzig, wenn ich so eine bescheuerte Anleitung zur Pausengestaltung von mir gäbe? Wer würde denn so einen Müll daherreden, wenn’s nicht witzig gemeint wäre? Nicht unbedingt witzig in dem Sinn, dass da eine großartige Pointe drinstecken würde, sondern mehr im Kielwasser von Monty Python’s Flying Circus. A bissl absurd, maybe even a little kafkaesk – nudge nudge, wink wink, you understand?

Was gibt’s denn sonst noch für Stilmittel, um das dröhnende Vakuum zwischen den Musikdarbietungen zu füllen? Etwa die Ironie, die fiese Nachbarin des Humors? Oder deren passiv-aggressive Cousine, die Selbst-Ironie? "Hey, ich hab mir gestern die Hand gebrochen, aber sonst spiel ich ja auch nicht besser…" Da könnte man genauso gut sagen: Hier verplempert ihr nur eure Zeit! Hört euch lieber eine gute Band an, oder seid’s es wirklich so bläd?

Wenig geistreich ist es auch zu erklären, um was es in der nächsten Nummer geht: "Dieser Song bedeutet mir sehr viel. Er handelt davon, wie ich nach einem Saufgelage mit meinem alten Freund Peter Gabriel die Toilette vollgereihert habe." Da wäre auch ein kleiner Witz drin versteckt, denn ein profanes Saufgelage mit einer ätherischen Lichtgestalt wie Peter Gabriel ist in etwa so realistisch, als würde Donald Trump zum Islam konvertieren.

Show, don’t tell. Auch wenn sich unsere Texte sich in mancher Hinsicht von der üblichen trivialen Rock-Lyrik unterscheiden mögen – die Welt werden sie ganz sicher nicht verändern. Welche Optionen haben wir also noch?

Ach ja, die liebevolle Kollegen-Veräppelung: "Rechts von mir – von euch aus gesehen natürlich links, hehe – der unvergleichliche Zeremonienmeister der Tiefton-Ukulele…" also echt jetzt? Wie tief kann man noch sinken? Ganz zu schweigen von Anspielungen bezüglich unseres nicht mehr ganz so frischen Alters. Wir wollen eine gute Zeit miteinander haben und nicht an unser baldiges Ableben erinnert werden.

Doch es gibt eine Situation, die geradezu nach unverbindlichem Labern schreit: Die technische Panne. Schlagzeug zusammengekracht, Verstärker explodiert, und natürlich der Klassiker – Gitarre verstimmt! In so einem Fall hat jeder Verständnis für das hilflose, um Verständnis heischende Gemümmel, das dann von der Bühne erschallt. "Ach wisst ihr, Leute, es geht noch schlimmer. Ich hatte mal eine Gitarre, die musste nach jedem Stück gestimmt werden… eigentlich war es auch keine richtige Gitarre… mehr so ein Zwischending aus Taucherflosse und Kuckucksuhr, das sah echt scheiße aus…" Der unbedarfte Musikus auf den Spuren eines Sportreporters, wenn auf dem Spielfeld gerade die totale Flaute herrscht. Laber-blah-schwall… der Zweck rechtfertigt den lingualen Tiefseetauchgang.

Doch manchmal wäre ein bisschen spontane Verbalartistik durchaus angebracht. Die Betonung liegt auf spontan – einstudiertes Pseudo-Kabarett kann schnell ins Hoserl gehen. Vor allem, wenn man sich so wie ich keine Texte merken kann. Ich übe schon fleißig, zum Beispiel an der Supermarktkasse. Meine Frau tut dann immer so, als würde sie mich nicht kennen. Sie findet, meinen Humor würde nun mal nicht jeder verstehen. Dabei geht es ja gar nicht um Humor, sondern um… ja, um was eigentlich? Well, maybe I should let my guitar do the talking. Ansonsten gilt nach wie vor: Guten Abend, wir sind Dogs Welcome und wir spielen Rock’n’Roll.